Leitfaden Krähenjagd

Effektive Bejagung von Rabenkrähen am freundlichen Lockbild

Das gängige Vorurteil ist: „Hat man eine Krähe beschossen, wissen alle anderen was Sache ist.“ Das ist eine fatale Fehlvorstellung und hält viele Jäger von einer Krähenbejagung ab. Fakt ist, auch wenn Krähen in kleinen Kolonien schlafen, suchen sie im Morgengrauen einzeln, paarweise oder auch in Kleingruppen nach geeignetem Fraß. Finden sie diesen, beginnen sie mit der Nahrungsaufnahme und teilen ihren Artgenossen durch das typische „Krähen“ den Standort mit. Nahe Krähen fliegen ein und so sammeln sich über den Morgen die typischen Krähengesellschaften zusammen. Am Abend trennen sie sich wieder und fliegen wie morgens zurück zum Schlafplatz. Und genau das einzelne abfliegen oder einfliegen von den Schlafplätzen macht sich der Lockjäger zu nutze, indem er die Krähen abpasst und erlegt.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

DIE AUSRÜSTUNG IM ÜBERBLICK

Tarnkleidung
Eine komplette Tarnung ist Pflicht. Diese beinhaltet eine Tarnjacke, -hose, -handschuhe und -gesichtsmaske und muss im gleichen Muster wie das Tarnnetz gehalten sein. Realtree-AP® eignet sich gut vor Büschen und Sträuchern, MAX-4® auf frisch gemähten Äckern oder vor reifem Mais.

Lockpfeife
Maßgeblich am Erfolg beteiligt ist die Lockpfeife. Dadurch kann man auch weit entfernte Krähen heranlocken, die das Lockbild sonst nicht sehen würden. Durch den Locker suggeriert man den Krähen, dass ihre künstlichen Artgenossen ein üppiges Nahrungsangebot gefunden haben. Ich nutze den Crow Call von Sam mit gutem Erfolg. Hier heißt es: „Übung macht den Meister."

Flinte
Zur Krähenjagd sollte man eine doppelläufige- oder Selbstladeflinte nutzen. Sie bieten 2 oder mehr Schüsse, da bei der Krähenjagd Dubletten keine Seltenheit sind. Ob SLB oder (B)DF ist abhängig vom persönlichen Geschmack. Im Idealfall ist die Flinte eine Tarnflinte oder nachträglich mit einer Laufsocke oder Klebeband getarnt.

Tarnstand
Der Stand wird aufgebaut aus 4 oder 6 Stangen (je nach Größe), einem Tarnnetz und einer Tarngardine, jeweils im gleichen Muster wie die Tarnbekleidung. Nur dies gewährleistet eine ausreichende Tarnung und ist Pflicht. Der Tarnstoff wird mit Klemmen aus dem Baumarkt an den Stangen befestigt. Ein Sitzstuhl komplettiert den Tarnstand. Im Idealfall schießt man sogar im Sitzen.

Lockkrähen
Je natürlicher die Lockkrähen, desto vertrauter Fallen die Krägen in das Lockbild ein. Daher sind Lockkrähen beflockt oder besockt. Besockte Lockkrähen lassen sich leicht und günstig selbst herstellen und instandsetzen. Einfach eine große, schwarze Herrensocke über die glänzende Plastikkrähe ziehen und mit Kabelbinder fixieren. Krähen erkennen unnatürliche Lockkrähen und warnen u.U. ihre Artgenossen.

Munition
Sollte in ausreichender Menge zur Verfügung stehen. 2 Packungen sollten es schon sein, denn Sie werden erstaunt sein, dass bei einer erfolgreichen Krähenjagd nur wenig davon übrig bleibt. Deckung ist das A und O und man sollte 2,7mm – 3mm Patronen mit einer 32g – 36g Vorlage nutzen.

Jagdhund
Erlegte Krähen müssen umgehend aus dem Lockbild entfernt werden. Entweder man holt sie selbst, muss dann aber in Tarnkleidung in das Lockbild laufen, was nahe Krähen vergrämen kann oder man hat einen sicheren, ruhigen und treuen Jagdbegleiter, der Krähen apportiert.

DIE STANDORTWAHL

Dort wo man Krähen beim täglichen Reviergang ausmacht, kann man sie in der Regel auch bejagen. Ideale Standorte sind frisch gemähte Wiesen, abgeerntete Äcker oder auch Misthaufen. Es gibt jedoch einige Punkte zu beachten. Hecken, Büsche oder einzelne Bäume als Deckung nutzen. Kann man diese nicht nutzen, sollten sie auch möglichst weit weg vom Standort liegen, da Krähen in sie einfallen könnten um die Lage zu sondieren. Je länger Krähen das Lockbild beobachten können, desto wahrscheinlicher ist es, dass sie „den Braten riechen". Auch Strom oder Telefonleitung sollten gemieden werden. Die Sonne steht im Rücken, damit sie den Schützen nicht blendet.

DER STANDAUFBAU

Der Zeitpunkt
Vor Sonnenaufgang muss man im Tarnstand sitzen. Bekommen die Krähen den Aufbau mit, fliegen sie nicht ein, werden unnötig Schlau gemacht und warnen u.U. sogar noch ihre Artgenossen.

Grundgerüst
die 4 oder 6 Stangen werden im Quadrat (1 Schütze) mit den Maßen 1m x 1m oder im Rechteck (2 Schützen) mit den Maßen 1m x 1,6m aufgestellt.

Tarnnetz und Tarngardine
hier gibt es verschiedene Varianten. Ich umwickle die Tarnstangen bis in 1m Höhe mit dem Tarnnetz. Darüber wickle ich die transparente Tarngardine bis 1,3m Höhe. So entsteht   ein 30cm hoher Bereich, der getarnt aber trotzdem durchschaubar ist. Dadurch ist man von außen für einfallende Krähen getarnt, hat das Lockbild und die Umgebung aber immer im Blick, ohne über den Tarnstand hinweg schauen zu müssen, was die Krähen wieder erblicken könnten.

Lockbild

Auch hier gibt es verschiedene Varianten,ie aber alle den Grundsätzen folgen.

 

Platz in der Mitte, da Krähen am liebsten mittig in das Lockbild einfallen. Ein U-förmiges Lockbild sollte gegen den Wind aufgestellt werden, da Vögel gegen den Wind landen und starten. Auch die Lockkrähen „mit dem Schnabel im Wind" stehen. Das Lockbild sollte 15m vom Tarnstand entfernt entfernt aufgebaut werden. Die weiteste Lockkrähe aber nicht weiter als 30m. Da die Schrotgarbe sonst zu eng oder zu weit ist. Krähen sollten seitlich zum Schussfeld einfallen und nicht von vorne oder von hinten. Von hinten könnte man sie zu spät sehen und von vorne bieten sie weniger Fläche und einen gewöhnungsbedürftigen Haltepunkt. Das Lockbild sollte nicht zu statisch aussehen, sondern trotz der guten Planung einfach natürlich.

 

DIE LOCKJAGD

Der Beginn
Sobald die ersten Sonnenstrahlen den Tag erhellen, spätestens aber wenn die ersten Krähen rufen, beginnt man mit den akustischen Lockrufen. Die Lockrufe werden in regelmäßigen Abständen, je nach Puste, wiederholt. Üblicherweise setzt man 3er oder 4er Salven ab. Immer wenn eine entfernte Krähe ruft, antwortet der Schütze.

Einfallende Krähen
... werden nach eigenem ermessen, aber erst in Reichweite, beschossen. Gerade junge Krähen fallen oft schnell und gezielt in das Lockbild ein und landen sogar in Mitten ihrer künstlichen Artgenossen. Hier wartet man geduldig bis sie aufsteigt, um nicht die eigenen Lockkrähen zu beschädigen.

aufbaumende Krähen
Baumen Krähen in der Nähe auf, gilt es ruhig zu bleiben und weiter zu locken. Entweder sie fallen noch ein, oder sie ziehen wieder ab. Fangen die Krähen jedoch an zu hassen, sollten sie mittels Hebeschuss vergrämt werden. Dadurch zieht die hassende Krähe meist weiter und vergrämt keine weiteren Artgenossen.

geschossene Krähen
... müssen sofort aus dem Lockbild entfernt werden. Hier ist ein brauchbarer Hund Gold wert. Sehen Krähen tote Artgenossen im Lockbild beginnen sie zu hassen.

Sebastian Niederer

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Montag, 20. August 2018 06:56